Klang und Verwandlung

Klang und Verwandlung

Klassische Musik als Weg der Bewusstseinsentwicklung

von Jochen Kirchhoff

Erschienen am 10.05.2010
192 Seiten
Broschur mit Klappen
ISBN: 978-3-927369-47-4

Jochen Kirchhoff rückt mit diesem Buch das reiche spirituelle Potenzial der "klassischen" abendländischen Musik ins Blickfeld und erschließt sie als in der Tiefe wirksames Werkzeug für Meditation und die persönliche Entwicklung. Auf den archetypischen Grundlagen der Klänge und angeregt von Inspirationserlebnissen großer Musiker entwickelt der Autor die Umrisse einer Musikphilosophie auf spiritueller Grundlage. „Klang und Verwandlung“ das erstmals 1989 erschienen ist, vermittelt gerade heute eine wichtige Botschaft: Es stemmt sich gegen den allgemeinen Empathieverlust in unserer Gesellschaft und setzt sich für eine transformative Kultur des Klangs und des Hörens als Grundlage für Frieden mit uns selbst und mit der Erde ein.

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Rezensionen

von Michael Loeckle am 01.12.2011 in Brücke Heft 159

Das Buch „Klang und Verwandlung“ von Jochen Kirchhoff, welches im Drachen Verlag erschienen ist, bewegt sich auf gewohnt hohem Niveau. Es richtet sich gegen den allgemeinen Empathieverlust in der postmodernen Gesellschaft und plädiert für eine transformative Kultur des Klangs und des Hörens als Grundlage für den Frieden mit sich und der Erde.
Nach Ansicht des Autors, der nicht nur als Naturphilosoph und Kosmologe reüssiert, sondern auch eine gründliche Musikausbildung absolviert hat, ist die klassische Musik die eigentliche Meditationsmusik, die sich auf Grund ihrer kosmischen-archetypischen Tiefendimension nur einer meditativen Herangehensweise erschließt.
Dies setzt aber eine andere Grundhaltung zur Musik voraus, die, als Initiationsweg, auch über die Abgründe unseres Seins, über heroische Kämpfe und ekstatische Befreiungen führt, wie etwa die thematisch motivische Faktur der späten Klaviersonaten Beethovens zeigt.
Tatsächlich sind wir heute umgeben von einer horriblen Gewalt- und Konservenmusik, von einer globalisierten Merdokratie des Trivialen und Banalen, die immer öfter als Psychoterror und Körperverletzung gewertet werden muss. Ganz anders das Hören als akroasis, als Weltanhörung, das ein Teil des integralen, ganzheitlichen Bewusstseins ist, dessen Herausbildung von uns verlangt wird, wie Kirchhoff glaubt. Für ihn sind die Archephone und Urmelodien, wie sie die große Musik hervorbringt, im Raum verwurzelt als Emanationen seiner unbegrenzten schöpferischen Potenz. Komponieren und Hören heißt also Rückerinnern und Wiedererkennen.
„Unsere Seele wird nur dann im Innersten bewegt, wenn ihr Klanggrund in Schwingungen gerät, wenn wir ahnend erfassen, dass diese oder jene melodische Figur, diese oder jene Akkordfolge (Kadenz) von uns selbst kündet - weniger von dem wie wir real sind (genauer: als Erscheinungswesen sind), als von dem, was wir urbildhaft sind, was wir sein könnten oder sollten. Große Musik kündet von den kosmischen Möglichkeiten der humanen Existenz, sie entbirgt unser Eigentlichstes, weitet unsere Seele, macht sie durchlässig und gefährdet damit die Bastionen des Intellekts, des Bewusstseinspanzers.“
Bereits in der frühesten Musikästhetik ging es um die Harmonie der Gegensätze, um eidos und mimesis, die nach Aristoteles den Charakter des Menschen bilden sollten, um diastalische, systalische und hesyastalische, das Gleichgewicht der Seele betreffende Tonweisen. Musik sollte zur philosophischen Erkenntnis verhelfen: im organicum melos sei das geschaffene Universum als Konsonanz dissonierender Relationen abbildhaft vorhanden.
Kirchhoffs Buch ist ein überaus inspirierendes Werk, keineswegs nur für Musikfreunde, es berichtet über die Harmonie der Sphären ebenso wie über das Mandala der klassischen Melodie, und es zeigt die Richtung der Verwandlungen auf, die für ein integrales Bewusstsein und die spirituelle Transformation der Gesellschaft gleichermaßen wichtig sind. Dringend erforderlich seien die Individuation jenseits der persona, die Integration der weiblichen und männlichen Schichten der eigenen Psyche, das Gleichgewicht von Eros, Logos und Bios, die Überwindung der Egozentrik, der Wille zur Transzendenz, die Versöhnung von Kosmos, Geschichte, Geist und Natur.
Was Nietzsche im Jahr 1875 notiert hat, ist heute noch weit aktueller als zu seiner Zeit: „Wer möchte zweifeln, dass eine Gesellschaft, die den wahren Geist Beethovenscher Musik in sich aufgenommen hat, unserer jetzigen Gesellschaft in Staatsform, Erziehung usw. sehr wenig ähnlich sehen würde.“
Spirituelle Arbeit am Klang und mit dem Klang ist nach Kirchhoff „ zugleich Arbeit an der Erde, Arbeit für die Erde und deren Erhalt“.
(gekürzte Fassung)